OPEN INNOVATION -NEUE GESCHÄFTSMODELLE

Aktuelle Megatrends, wie die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung, der starke Zuzug von Bevölkerung in urbane Zentren (Reurbanisierung), die steigende Bedeutung von implizitem Wissen sowie der zunehmende Einsatz ressourcenschonender Produkte und Verfahren gehen mit einem umfassenden wirtschaftsstrukturellen Wandel einher. Die Veränderungsprozesse bergen vielfältige Gestaltungsoptionen für Städte und Regionen. Für die Metropole Ruhr besteht die große Chance, den sich vollziehenden strukturellen Wandel für eine Weiterentwicklung etablierter Geschäftsmodelle und damit einhergehend für eine Neupositionierung im internationalen Wettbewerb zu nutzen. Die Region zeichnet sich durch eine hohe Bevölkerungs- und Unternehmensdichte aus und verfügt über eine international anerkannte und gut vernetzte Hochschullandschaft. Die erfolgreiche Diversifizierung der Wirtschaft mit Schwerpunkten in wachstumsstarken Bereichen wie der IKT-Wirtschaft, der Umweltwirtschaft, im Logistiksektor oder dem Handel- und Dienstleistungsbereich birgt vielfältige Anknüpfungspunkte für die Entwicklung innovativer Lösungen.

WISSEN TEILEN UND KOOPERIEREN

Insbesondere in Zeiten verkürzter Technologiezyklen profitiert die Hervorbringung von Produkt- und Prozessinnovationen von einer hochgradig vernetzten Wirtschaft mit zahlreichen Feedbackschleifen zwischen Einzelpersonen und Organisationen, die es ermöglichen, Wissen zu teilen und in einem kooperativen Ansatz weiterzuentwickeln (Mazzucato 2014). Unternehmen gehen deshalb verstärkt dazu über, ihre Innovationsprozesse für das Know-how externer Partner zu öffnen. Viele Unternehmen in der Metropole Ruhr kooperieren schon heute im Rahmen ihrer Innovationsaktivitäten mit Kunden, Lieferanten oder Forschungspartnern aus der Region. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Strukturwandels bietet die Öffnung von Innovationsprozessen die Chance zur Neuausrichtung regionaler Wertschöpfungsketten, zur Weiterentwicklung von Produktportfolios und zur Erschließung neuer Märkte. Die regionale Wirtschaftsförderung kann mit Angeboten zum Wissens- und Technologietransfer den Austausch zwischen regionalen Partnern unterstützen und dadurch die Innovationskraft der regionalen Wirtschaft stärken. Auf diese Weise können die regionalen Open Innovation-Potenziale erweitert und spezifische Kompetenzen bei der Gestaltung des digitalen Wandels oder der fortschreitenden Reurbanisierung aufgebaut werden. Im Folgenden werden die Strukturen und Rahmenbedingungen von Open Innovation-Prozessen sowie die damit einhergehenden wirtschaftlichen Potenziale diskutiert. Mit der celano GmbH, der tegos GmbH, der Simova GmbH und der phenox GmbH werden darüber hinaus vier regionale Unternehmen vorgestellt, die sich durch eine besonders hohe Innovationskraft auszeichnen und deren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten durch verschiedene Strategien zur Öffnung ihrer Innovationsprozesse gekennzeichnet sind.

INNOVATIONEN SIND TREIBER DES WIRTSCHAFTLICHEN UND GESELLSCHAFTLICHEN FORTSCHRITTS

Eine Innovation kann die Einführung neuer sowie die Weiterentwicklung etablierter Produkte, Prozesse und Organisationsstrukturen umfassen. Darüber hinaus wird häufig auch die Erschließung neuer Absatz- und Beschaffungsmärkte als innovativer Akt verstanden. Die Innovationsaktivitäten von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen bilden deshalb eine der zentralen Voraussetzungen für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt (Stumpf et al 2011: 3; siehe auch: Schumpeter 1934). Innovationen resultieren jedoch erst dann aus Ideen und Erfindungen (Inventionen), wenn solche in einem Innovationsprozess in neue Produkte, Dienstleistungen, Verfahren oder soziale Praktiken umgesetzt werden, diese dann tatsächlich erfolgreich Anwendung finden und den Markt bzw. die Gesellschaft durchdringen (Buhr 2015: 20). Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel kann sich dabei sowohl disruptiv als auch in kleinen und schrittweisen (inkrementellen) Entwicklungsschüben vollziehen.

OPEN INNOVATION WIRD ZU EINEM SCHLÜSSELFAKTOR UNTERNEHMERISCHEN ERFOLGS

Die Anforderungen an Innovationsprozesse und das Management von Innovationen haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Entwicklung der Märkte ist heute rasanter und weniger prognostizierbar, was sich unter anderem in verkürzten Produktlebenszyklen und einem damit einhergehenden erhöhten Innovationsdruck widerspiegelt. Zudem sind Kundenbedürfnisse individueller geworden und der fortschreitende Strukturwandel führt zu einer Verwischung der Grenzen zwischen Industrie und Dienstleistungssektor sowie einem Bedeutungsgewinn hybrider Produkte, die Sach- und Dienstleistungen miteinander verbinden. Vor diesem Hintergrund sind Innovationsprozesse heute in der Regel nicht mehr exklusive Domäne industrieller Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Vielmehr entstehen Innovationen vermehrt in heterogenen und institutionell weniger stark gebundenen Konstellationen, in denen verschiedene Akteure an gemeinsamen Aufgaben und Projekten arbeiten (Ehrenberg-Silies et al. 2014: 7). Damit verliert nicht nur das lineare Innovationsmodell an Aussagekraft, sondern es wird die Fähigkeit, von Quellen außerhalb des Unternehmens Wissen zu absorbieren, zu einem entscheidenden Faktor für den Innovationserfolg und damit für das langfristige ökonomische Überleben von Unternehmen (Brökel 2016: 16).

PARTNER PROFITIEREN

Die strategische Einbeziehung externer Akteure in den betrieblichen Innovationsprozess wird auch als Open Innovation-Ansatz bezeichnet. Es handelt sich bei Open Innovation somit um die Intensivierung des Wissens- und Technologietransfers mit dem Ziel des wechselseitigen Nutzens für alle beteiligten Partner (Chesbrough 2003). So kann zum Beispiel der Prozess der Medikamentenentwicklung und Markteinführung in der pharmazeutischen Industrie deutlich beschleunigt werden, wenn verschiedene kleinere Forschungsinstitute und Startups ihre Ideen, Kompetenzen und Infrastrukturen in den Innovationsprozess einbringen. Diese können wiederum von der Expertise und den Ressourcen etablierter pharmazeutischer Unternehmen bei der Markteinführung neuer Produkte profitieren (Wong 2012).

Ein wesentlicher Treiber von Open Innovation ist die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung von Wertschöpfungsprozessen: Die neuen Technologien machen es möglich, weltweit und in Echtzeit auf Informationen aus dem Innovationsprozess zuzugreifen und entsprechend zu reagieren. Die Koordination der Innovationsaktivitäten kann dadurch auch bei einer großen Zahl an Kooperationspartnern zu geringen Transaktionskosten organisiert werden. Zudem ist die fortschreitende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft für viele Unternehmen mit erheblichen Investitionen bei der Implementierung der neuen Technologien und Systeme verbunden. Durch die Bildung strategischer Allianzen und die Einbindung von IT-Spezialisten kann das Investitionsrisiko minimiert und das für die digitale Transformation notwendige Know-how kurzfristig abgerufen werden (Brandt et al. 2016).

Formen und Prozesse der Kooperation

Beim interorganisationalen Wissensaustausch kann zwischen verschiedenen Transfermechanismen unterschieden werden. Diese umfassen beispielsweise die Bereitstellung von explizitem, kodifiziertem Wissen, den Austausch von impliziten Wissensressourcen durch face-to-face Interaktionen auf (informeller) Mitarbeiterebene oder den Transfer in institutionalisierten Kooperationsprojekten und Wissensnetzwerken. Bei der Öffnung betrieblicher Innovationsprozesse sind neben diesen verschiedenen Möglichkeiten zum Wissens- und Technologietransfer auch die zum Teil divergierenden Kooperationsmotive und Handlungslogiken der potenziellen Partnerinstitutionen in den Blick zu nehmen. So können sich Produkt- und Prozessinnovationen aus einer Intensivierung des Austausches mit Kunden, Lieferanten und sonstigen Geschäftspartnern, externen Kreativen und Studenten sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen ergeben. Eine wichtige Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Implementierung von Open Innovations-Ansätzen ist deshalb die Bereitschaft, offen für die Erfahrungen und Arbeitsweisen verschiedenster Akteurskonstellationen zu sein. Folglich kann sich bei der Einbindung dieser externen Partner in die betrieblichen Innovationsprozesse die Notwendigkeit ergeben, etablierte Entwicklungsmuster und vermeintliche Branchenweisheiten zu hinterfragen. Bei der Öffnung von Innovationsprozessen kann aus der unternehmerischen Perspektive dabei zwischen verschiedenen Strategien differenziert werden (Gassmann und Enkel 2006: 132; Reichwald und Möslein 2011:6):

Outside-in (Integration externen Wissens in etablierte Wertschöpfungsprozesse): Übertragung von Aufgaben an externe Akteure, die in bestimmten Bereichen über Wissensvorsprünge verfügen.

Inside-out (Kommerzialisierung von Wissensressourcen außerhalb des Unternehmens): Im Unternehmen sind bereits neue Prozesse entstanden, die außerhalb des Unternehmens zu einem Markterfolg führen. Gute Ideen, die nicht zu den Kernkompetenzen des Unternehmens passen, können somit ausgelagert und über neue Geschäftsmodelle verwertet werden.

Coupled (institutionalisierte, unternehmensübergreifende Kooperationen): Aufbau von Innovationsnetzwerken und strategischen Allianzen, vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung. Durch enge partnerschaftliche und langfristige Verbindungen mit komplementären Partnern kann eine systemübergreifende und ggf. multisektorale Vernetzung Lernprozesse in einer Organisation fördern.

ONLINEPLATTFORMEN UND OPEN SOURCE-TECHNOLOGIEN VERÄNDERN KOOPERATIONSPROZESSE

Während die ursprüngliche Bedeutung von offenen Innovationsprozessen zunächst nur auf die Übertragung bestimmter Aktivitäten auf ausgewählte Partner abzielte, ist die aktuelle Diskussion um Open Innovation- Prozesse viel stärker von Phänomenen wie dem Crowd-Sourcing geprägt, d.h. von Möglichkeiten zur Identifizierung von Kooperationspartnern über spezialisierte Online- Plattformen wie Innocentive, NineSigma oder 99designs. Neben den genannten Plattformen bieten spezialisierte Firmen internetbasierte Software-Lösungen an, die Prozesse des Innovationsmanagements strukturieren und die auch für externe Akteurskreise geöffnet werden können. Es ist davon auszugehen, dass die Geschäftsmodelle vieler internetbasierter Produkte und Dienstleistungen zukünftig weniger stark auf Patenten und Copyright basieren. Analog zur Entwicklung bei Open Source-Software ist zu erwarten, dass die unmittelbare Nutzung bestimmter Produkte und Services kostenfrei erfolgt, auf deren Basis dann aber firmenspezifische Zusatzleistungen kommerziell angeboten werden. So könnten beispielsweise 3-D-Druckvorlagen kostenlos als Open Source-Services zugänglich gemacht, ergänzendes Individualisierungs-, Produktions- oder Vertriebs- Know-how jedoch als kostenpflichtige Zusatzleistung angeboten werden (Silies et al. 2014: 11-30). Die Entwicklung solcher hochkomplexer und internetbasierter Produkt- und Dienstleistungsbündel wird die Bedeutung unternehmensübergreifender Kooperation im Bereich des Innovationsmanagements noch einmal erhöhen.

OPEN INNOVATION – NEUE GESCHÄFTSMODELLE

Aktuelle Megatrends, wie die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung, der starke Zuzug von Bevölkerung in urbane Zentren (Reurbanisierung), die steigende Bedeutung von implizitem Wissen sowie der zunehmende Einsatz ressourcenschonender Produkte und Verfahren gehen mit einem umfassenden wirtschaftsstrukturellen Wandel einher.

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Die Veränderungsprozesse bergen vielfältige Gestaltungsoptionen für Städte und Regionen. Für die Metropole Ruhr besteht die große Chance, den sich vollziehenden strukturellen Wandel für eine Weiterentwicklung etablierter Geschäftsmodelle und damit einhergehend für eine Neupositionierung im internationalen Wettbewerb zu nutzen. Die Region zeichnet sich durch eine hohe Bevölkerungs- und Unternehmensdichte aus und verfügt über eine international anerkannte und gut vernetzte Hochschullandschaft. Die erfolgreiche Diversifizierung der Wirtschaft mit Schwerpunkten in wachstumsstarken Bereichen wie der IKT-Wirtschaft, der Umweltwirtschaft, im Logistiksektor oder dem Handel- und Dienstleistungsbereich birgt vielfältige Anknüpfungspunkte für die Entwicklung innovativer Lösungen.

Wissen teilen und kooperieren

Insbesondere in Zeiten verkürzter Technologiezyklen profitiert die Hervorbringung von Produkt- und Prozessinnovationen von einer hochgradig vernetzten Wirtschaft mit zahlreichen Feedbackschleifen zwischen Einzelpersonen und Organisationen, die es ermöglichen, Wissen zu teilen und in einem kooperativen Ansatz weiterzuentwickeln (Mazzucato 2014).

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Unternehmen gehen deshalb verstärkt dazu über, ihre Innovationsprozesse für das Know-how externer Partner zu öffnen. Viele Unternehmen in der Metropole Ruhr kooperieren schon heute im Rahmen ihrer Innovationsaktivitäten mit Kunden, Lieferanten oder Forschungspartnern aus der Region. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Strukturwandels bietet die Öffnung von Innovationsprozessen die Chance zur Neuausrichtung regionaler Wertschöpfungsketten, zur Weiterentwicklung von Produktportfolios und zur Erschließung neuer Märkte. Die regionale Wirtschaftsförderung kann mit Angeboten zum Wissens- und Technologietransfer den Austausch zwischen regionalen Partnern unterstützen und dadurch die Innovationskraft der regionalen Wirtschaft stärken. Auf diese Weise können die regionalen Open Innovation-Potenziale erweitert und spezifische Kompetenzen bei der Gestaltung des digitalen Wandels oder der fortschreitenden Reurbanisierung aufgebaut werden.

Im Folgenden werden die Strukturen und Rahmenbedingungen von Open Innovation-Prozessen sowie die damit einhergehenden wirtschaftlichen Potenziale diskutiert. Mit der celano GmbH, der tegos GmbH, der Simova GmbH und der phenox GmbH werden darüber hinaus vier regionale Unternehmen vorgestellt, die sich durch eine besonders hohe Innovationskraft auszeichnen und deren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten durch verschiedene Strategien zur Öffnung ihrer Innovationsprozesse gekennzeichnet sind.

Innovationen sind Treiber des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritts

Eine Innovation kann die Einführung neuer sowie die Weiterentwicklung etablierter Produkte, Prozesse und Organisationsstrukturen umfassen. Darüber hinaus wird häufig auch die Erschließung neuer Absatz- und Beschaffungsmärkte als innovativer Akt verstanden. Die Innovationsaktivitäten von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen bilden deshalb eine der zentralen Voraussetzungen für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt (Stumpf et al 2011: 3; siehe auch: Schumpeter 1934).

...

Innovationen resultieren jedoch erst dann aus Ideen und Erfindungen (Inventionen), wenn solche in einem Innovationsprozess in neue Produkte, Dienstleistungen, Verfahren oder soziale Praktiken umgesetzt werden, diese dann tatsächlich erfolgreich Anwendung finden und den Markt bzw. die Gesellschaft durchdringen (Buhr 2015: 20). Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel kann sich dabei sowohl disruptiv als auch in kleinen und schrittweisen (inkrementellen) Entwicklungsschüben vollziehen.

Innovationen sind Treiber des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritts

Die Anforderungen an Innovationsprozesse und das Management von Innovationen haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Entwicklung der Märkte ist heute rasanter und weniger prognostizierbar, was sich unter anderem in verkürzten Produktlebenszyklen und einem damit einhergehenden erhöhten Innovationsdruck widerspiegelt. Zudem sind Kundenbedürfnisse individueller geworden und der fortschreitende Strukturwandel führt zu einer Verwischung der Grenzen zwischen Industrie und Dienstleistungssektor sowie einem Bedeutungsgewinn hybrider Produkte, die Sach- und Dienstleistungen miteinander verbinden.

Vor diesem Hintergrund sind Innovationsprozesse heute in der Regel nicht mehr exklusive Domäne industrieller Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Vielmehr entstehen Innovationen vermehrt in heterogenen und institutionell weniger stark gebundenen Konstellationen, in denen verschiedene Akteure an gemeinsamen Aufgaben und Projekten arbeiten (Ehrenberg-Silies et al. 2014: 7). Damit verliert nicht nur das lineare Innovationsmodell an Aussagekraft, sondern es wird die Fähigkeit, von Quellen außerhalb des Unternehmens Wissen zu absorbieren, zu einem entscheidenden Faktor für den Innovationserfolg und damit für das langfristige ökonomische Überleben von Unternehmen (Brökel 2016: 16).

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Partner profitieren

Die strategische Einbeziehung externer Akteure in den betrieblichen Innovationsprozess wird auch als Open Innovation-Ansatz bezeichnet. Es handelt sich bei Open Innovation somit um die Intensivierung des Wissens- und Technologietransfers mit dem Ziel des wechselseitigen Nutzens für alle beteiligten Partner (Chesbrough 2003). So kann zum Beispiel der Prozess der Medikamentenentwicklung und Markteinführung in der pharmazeutischen Industrie deutlich beschleunigt werden, wenn verschiedene kleinere Forschungsinstitute und Startups ihre Ideen, Kompetenzen und Infrastrukturen in den Innovationsprozess einbringen. Diese können wiederum von der Expertise und den Ressourcen etablierter pharmazeutischer Unternehmen bei der Markteinführung neuer Produkte profitieren (Wong 2012).

Ein wesentlicher Treiber von Open Innovation ist die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung von Wertschöpfungsprozessen: Die neuen Technologien machen es möglich, weltweit und in Echtzeit auf Informationen aus dem Innovationsprozess zuzugreifen und entsprechend zu reagieren. Die Koordination der Innovationsaktivitäten kann dadurch auch bei einer großen Zahl an Kooperationspartnern zu geringen Transaktionskosten organisiert werden. Zudem ist die fortschreitende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft für viele Unternehmen mit erheblichen Investitionen bei der Implementierung der neuen Technologien und Systeme verbunden. Durch die Bildung strategischer Allianzen und die Einbindung von IT-Spezialisten kann das Investitionsrisiko minimiert und das für die digitale Transformation notwendige Know-how kurzfristig abgerufen werden (Brandt et al. 2016).

Formen und Prozesse der Kooperation

Beim interorganisationalen Wissensaustausch kann zwischen verschiedenen Transfermechanismen unterschieden werden. Diese umfassen beispielsweise die Bereitstellung von explizitem, kodifiziertem Wissen, den Austausch von impliziten Wissensressourcen durch face-to-face Interaktionen auf (informeller) Mitarbeiterebene oder den Transfer in institutionalisierten Kooperationsprojekten und Wissensnetzwerken. Bei der Öffnung betrieblicher Innovationsprozesse sind neben diesen verschiedenen Möglichkeiten zum Wissens- und Technologietransfer auch die zum Teil divergierenden Kooperationsmotive und Handlungslogiken der potenziellen Partnerinstitutionen in den Blick zu nehmen.

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So können sich Produkt- und Prozessinnovationen aus einer Intensivierung des Austausches mit Kunden, Lieferanten und sonstigen Geschäftspartnern, externen Kreativen und Studenten sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen ergeben. Eine wichtige Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Implementierung von Open Innovations-Ansätzen ist deshalb die Bereitschaft, offen für die Erfahrungen und Arbeitsweisen verschiedenster Akteurskonstellationen zu sein. Folglich kann sich bei der Einbindung dieser externen Partner in die betrieblichen Innovationsprozesse die Notwendigkeit ergeben, etablierte Entwicklungsmuster und vermeintliche Branchenweisheiten zu hinterfragen. Bei der Öffnung von Innovationsprozessen kann aus der unternehmerischen Perspektive dabei zwischen verschiedenen Strategien differenziert werden (Gassmann und Enkel 2006: 132; Reichwald und Möslein 2011:6):

Outside-in (Integration externen Wissens in etablierte Wertschöpfungsprozesse): Übertragung von Aufgaben an externe Akteure, die in bestimmten Bereichen über Wissensvorsprünge verfügen.

Inside-out (Kommerzialisierung von Wissensressourcen außerhalb des Unternehmens): Im Unternehmen sind bereits neue Prozesse entstanden, die außerhalb des Unternehmens zu einem Markterfolg führen. Gute Ideen, die nicht zu den Kernkompetenzen des Unternehmens passen, können somit ausgelagert und über neue Geschäftsmodelle verwertet werden.

Coupled (institutionalisierte, unternehmensübergreifende Kooperationen): Aufbau von Innovationsnetzwerken und strategischen Allianzen, vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung. Durch enge partnerschaftliche und langfristige Verbindungen mit komplementären Partnern kann eine systemübergreifende und ggf. multisektorale Vernetzung Lernprozesse in einer Organisation fördern.

Onlineplattformen und Open Source-Technologien verändern Kooperationsprozesse

Während die ursprüngliche Bedeutung von offenen Innovationsprozessen zunächst nur auf die Übertragung bestimmter Aktivitäten auf ausgewählte Partner abzielte, ist die aktuelle Diskussion um Open Innovation- Prozesse viel stärker von Phänomenen wie dem Crowd-Sourcing geprägt, d.h. von Möglichkeiten zur Identifizierung von Kooperationspartnern über spezialisierte Online- Plattformen wie Innocentive, NineSigma oder 99designs. Neben den genannten Plattformen bieten spezialisierte Firmen internetbasierte Software-Lösungen an, die Prozesse des Innovationsmanagements strukturieren und die auch für externe Akteurskreise geöffnet werden können.

Es ist davon auszugehen, dass die Geschäftsmodelle vieler internetbasierter Produkte und Dienstleistungen zukünftig weniger stark auf Patenten und Copyright basieren. Analog zur Entwicklung bei Open Source-Software ist zu erwarten, dass die unmittelbare Nutzung bestimmter Produkte und Services kostenfrei erfolgt, auf deren Basis dann aber firmenspezifische Zusatzleistungen kommerziell angeboten werden. So könnten beispielsweise 3-D-Druckvorlagen kostenlos als Open Source-Services zugänglich gemacht, ergänzendes Individualisierungs-, Produktions- oder Vertriebs- Know-how jedoch als kostenpflichtige Zusatzleistung angeboten werden (Silies et al. 2014: 11-30). Die Entwicklung solcher hochkomplexer und internetbasierter Produkt- und Dienstleistungsbündel wird die Bedeutung unternehmensübergreifender Kooperation im Bereich des Innovationsmanagements noch einmal erhöhen.

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