DAMIT THERAPIEN KÜNFTIG BESSER WIRKEN

Warum sprechen manche Patienten positiv auf eine Therapie an, andere aber nicht? Viel versprechende Ansätze um eine solche Wirksamkeit vorauszusagen, entwickeln hier vor allem innovative, kleine und flexible Biotechnologiefirmen wie die Protagen AG aus Dortmund mit heute 17 Mitarbeitern. Hervorgegangen aus der Proteinanalytik identifiziert und validiert das ehemalige Spin-Off aus der Ruhruniversität Bochum heute mit einem einzigartigen Verfahren Biomarker, die auf Autoantikörperprofilen basieren. Welches Potenzial die Zukunftstechnologie der Protagen AG besitzt, erläutert ihr Vorstand Dr. Georg Lautscham.

WER ODER WAS SIND DIE WICHTIGSTEN TREIBER IHRER INNOVATIONEN?

Dr. Georg Lautscham: Der Grund ist ganz einfach, dass das von uns entwickelte und angewandte Verfahren für diese Therapiegebiete ideal geeignet ist. Unsere Entwicklungen zielen in beiden Feldern auf eine verbesserte Vorhersagbarkeit von Medikamentenwirkungen oder deren Nebenwirkungen – letztlich auf verbessertes Patientenmanagement und damit auf mehr Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Denn bei mehr als der Hälfte der Menschen, die an einer Autoimmunerkrankung leiden – das ist immerhin einer von sechs – wirken verabreichte Medikamente nicht. Die Jahresbehandlungskosten sind erheblich und können bis zu 30.000 Euro pro Patient betragen. Das hat nicht nur Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten, das hat auch volkswirtschaftliche Relevanz. Eine ähnliche Problematik gibt es in der Onkologie. Hier konzentrieren wir uns auf neue Therapieformen, die sogenannten Immuntherapien, deren Wirksamkeit heute noch nicht vorhersagbar ist und die bei einzelnen Krebsarten bei einer Untergruppe von etwa 20 bis 30 Prozent effektiv sind. Bei der Immuntherapie wird versucht, das geschwächte Immunsystem zu reaktivieren. Diese neuen Therapien sind äußerst viel versprechend, allerdings gelingt die Reaktivierung heute oft nur zu Lasten einer Überreaktion des Immunsystems, einer Nebenwirkung, die sich dann häufig als Autoimmunerkrankung äußert. Es gibt hier also einen direkten Zusammenhang zwischen beiden Pharmamärkten.

WAS IST DAS ZIEL?

Dr. Georg Lautscham: Unsere Vision ist es, Ärzten diagnostische Tests an die Hand zu geben, die ihnen Aufschluss darüber geben, welches Medikament für eine bestimmte Untergruppe von Patienten geeignet ist. Eine zielgruppengerechte und personalisierte Medizin, da wollen wir hin. Diagnosetools für Sklerose-, Lupus- oder Rheumatoide Arthritis haben wir bereits mit Partnern erfolgreich entwickelt.

AUF WELCHER ZUKUNFTSTECHNOLOGIE BASIERT DIESE FORTSCHRITTLICHE DIAGNOSTIK?

Dr. Georg Lautscham:  Auf der Identifizierung bestimmter Biomarker, den Autoantikörpern gegen körpereigene Proteine. Sie sind sowohl bei Autoimmunerkrankungen als auch bei Krebs im Blut nachweisbar. Mit unserem Verfahren, dem SeroTag®-Screeningtool, können wir das Autoantikörperportfolio eines Menschen systematisch analysieren, in einer Datenqualität, die in diesem Bereich bisher unerreicht ist. Wir benötigen dafür lediglich einen Tropfen Blut, eine äußerst geringe Menge, und eine Bead-basierte Technologie – Basis sind Styroporkügelchen –, die wir 2011 aus einem anderen Feld übernommen und weiterentwickelt haben. In der Kombination mit unserer einmaligen Proteinbibliothek sowie unserer firmeneigenen Patientendatenbank mit über 20.000 Autoantikörpersignaturen ist das heute ein enormer Wettbewerbsvorteil.

WIE SEHEN SIE DIE ZUKUNFT DER PROTAGEN, AUCH BEZOGEN AUF DEN STANDORT METROPOLE RUHR?

Dr. Georg Lautscham: Wir sind global aufgestellt, bewegen uns in einem internationalen Netzwerk und suchen für einzelne Projekte Partner aus Forschung oder Pharmaindustrie. Der Markt für Diagnosetools in Autoimmunerkrankungen ist eher klein mit wenig Wettbewerbern, die Immuno-Onkologie ist der am stärksten wachsende Pharmamarkt und damit stark umkämpft. Alle großen Player in Europa und den USA sind hier vertreten. Wir sehen das vor allem als Chance, werden unsere Technologie weiterentwickeln, im Bereich der Immuno-Onkologie sind wir noch ein stückweit vom Markt weg, machen aber schnelle Fortschritte. Das Dortmunder Biotechnologiezentrum war für uns vor allem in der Gründungsphase sehr wichtig, heute ist der Fokus der Stadt auf digitale Themen ein Standortvorteil vor allem im Hinblick auf die immer stärkere Verschmelzung von IT und Biotechnologie.

DAMIT THERAPIEN KÜNFTIG

BESSER WIRKEN

Warum sprechen manche Patienten positiv auf eine Therapie an, andere aber nicht? Viel versprechende Ansätze um eine solche Wirksamkeit vorauszusagen, entwickeln hier vor allem innovative, kleine und flexible Biotechnologiefirmen wie die Protagen AG aus Dortmund mit heute 17 Mitarbeitern. Hervorgegangen aus der Proteinanalytik identifiziert und validiert das ehemalige Spin-Off aus der Ruhruniversität Bochum heute mit einem einzigartigen Verfahren Biomarker, die auf Autoantikörperprofilen basieren. Welches Potenzial die Zukunftstechnologie der Protagen AG besitzt, erläutert ihr Vorstand Dr. Georg Lautscham.

Herr Dr. Lautscham, die Protagen AG ist auf den beiden vorherrschenden Pharmamärkten der Autoimmunerkrankungen und der Immuno-Onkologie aktiv. Warum?

Dr. Georg Lautscham: Der Grund ist ganz einfach, dass das von uns entwickelte und angewandte Verfahren für diese Therapiegebiete ideal geeignet ist. Unsere Entwicklungen zielen in beiden Feldern auf eine verbesserte Vorhersagbarkeit von Medikamentenwirkungen oder deren Nebenwirkungen – letztlich auf verbessertes Patientenmanagement und damit auf mehr Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Denn bei mehr als der Hälfte der Menschen, die an einer Autoimmunerkrankung leiden – das ist immerhin einer von sechs – wirken verabreichte Medikamente nicht. Die Jahresbehandlungskosten sind erheblich und können bis zu 30.000 Euro pro Patient betragen. Das hat nicht nur Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten, das hat auch volkswirtschaftliche Relevanz. Eine ähnliche Problematik gibt es in der Onkologie. Hier konzentrieren wir uns auf neue Therapieformen, die sogenannten Immuntherapien, deren Wirksamkeit heute noch nicht vorhersagbar ist und die bei einzelnen Krebsarten bei einer Untergruppe von etwa 20 bis 30 Prozent effektiv sind. Bei der Immuntherapie wird versucht, das geschwächte Immunsystem zu reaktivieren. Diese neuen Therapien sind äußerst viel versprechend, allerdings gelingt die Reaktivierung heute oft nur zu Lasten einer Überreaktion des Immunsystems, einer Nebenwirkung, die sich dann häufig als Autoimmunerkrankung äußert. Es gibt hier also einen direkten Zusammenhang zwischen beiden Pharmamärkten.

Was ist das Ziel?

Dr. Georg Lautscham: Unsere Vision ist es, Ärzten diagnostische Tests an die Hand zu geben, die ihnen Aufschluss darüber geben, welches Medikament für eine bestimmte Untergruppe von Patienten geeignet ist. Eine zielgruppengerechte und personalisierte Medizin, da wollen wir hin. Diagnosetools für Sklerose-, Lupus- oder Rheumatoide Arthritis haben wir bereits mit Partnern erfolgreich entwickelt.

Auf welcher Zukunftstechnologie basiert diese fortschrittliche Diagnostik?

Dr. Georg Lautscham:  Auf der Identifizierung bestimmter Biomarker, den Autoantikörpern gegen körpereigene Proteine. Sie sind sowohl bei Autoimmunerkrankungen als auch bei Krebs im Blut nachweisbar. Mit unserem Verfahren, dem SeroTag®-Screeningtool, können wir das Autoantikörperportfolio eines Menschen systematisch analysieren, in einer Datenqualität, die in diesem Bereich bisher unerreicht ist. Wir benötigen dafür lediglich einen Tropfen Blut, eine äußerst geringe Menge, und eine Bead-basierte Technologie – Basis sind Styroporkügelchen –, die wir 2011 aus einem anderen Feld übernommen und weiterentwickelt haben. In der Kombination mit unserer einmaligen Proteinbibliothek sowie unserer firmeneigenen Patientendatenbank mit über 20.000 Autoantikörpersignaturen ist das heute ein enormer Wettbewerbsvorteil.

Wie sehen Sie die Zukunft der Protagen, auch bezogen auf den Standort Metropole Ruhr?

Dr. Georg Lautscham: Wir sind global aufgestellt, bewegen uns in einem internationalen Netzwerk und suchen für einzelne Projekte Partner aus Forschung oder Pharmaindustrie. Der Markt für Diagnosetools in Autoimmunerkrankungen ist eher klein mit wenig Wettbewerbern, die Immuno-Onkologie ist der am stärksten wachsende Pharmamarkt und damit stark umkämpft. Alle großen Player in Europa und den USA sind hier vertreten. Wir sehen das vor allem als Chance, werden unsere Technologie weiterentwickeln, im Bereich der Immuno-Onkologie sind wir noch ein stückweit vom Markt weg, machen aber schnelle Fortschritte. Das Dortmunder Biotechnologiezentrum war für uns vor allem in der Gründungsphase sehr wichtig, heute ist der Fokus der Stadt auf digitale Themen ein Standortvorteil vor allem im Hinblick auf die immer stärkere Verschmelzung von IT und Biotechnologie.

STATEMENT

 Innovative Unternehmen und start-ups sind in der Metropole Ruhr gut verortet. Die Metropole bietet die erforderlichen Rahmenbedingungen und Ecosysteme, um sich unternehmerisch zu entwickeln. Besonders die Technologiezentren sowie die vielen neuen Acceleratoren und Plattformen, wie zum Beispiel der zukünftige „Universal Home Accelerator“ sind kompetente Partner um Innovationen aus den Köpfen der Menschen auf die „Straße“ zu bringen“ und zu vernetzen. 

Dr. Stefan Röllinghoff, Wirtschaftsförderung Dortmund
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