JUNGE IT-ENTWICKLER KOOPERIEREN ENG MIT GESTANDENEN STAHLWERKERN
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Lorenzo Croce

Die Auftragsbücher für die nächsten drei Jahre sind voll. Die celano GmbH aus Bottrop ist gut im Geschäft, hat sich binnen 15 Jahren zu einem stabilen Mittelständler mit heute 32 Mitarbeitern gemausert. Der IT-Dienstleister entwickelt hoch spezialisierte Prozessleitsysteme, mit denen der Ressourceneinsatz von Schwer- und Durchlauföfen sowie der Materialfluss in der Stahl- und Metallindustrie optimiert werden kann. Dank der Optimierungen durch die celano-Software kann die energieintensive Traditionsbranche enorme Kosten einsparen. Geschäftsführer Lorenzo Croce erläutert, mit welchen Partnern celano ihre Softwarelösungen weiterentwickelt und innovative Felder wie Industrie 4.0 für sich entdeckt.

HERR CROCE, VOR WELCHER BESONDEREN HERAUSFORDERUNG STEHEN IHRE IT-EXPERTEN, WENN SIE EFFIZIENTE LÖSUNGEN FÜR PROZESSE IN DER STAHLINDUSTRIE ENTWICKELN?

Lorenzo Croce: Zwei Branchen mit unterschiedlichen Kulturen treffen aufeinander. Auf der einen Seite unsere jungen IT-Entwickler, die sprunghaft, sehr innovativ und zugleich sehr optimistisch sind. Auf der anderen Seite eine Branche mit gestandenen, erfahrenen Ingenieuren, die stolz auf ihre Hüttentechnik und eine sehr innovative Werkstoffforschung ist.

WELCHE FOLGEN HAT DAS FÜR IHRE ZUSAMMENARBEIT?

Lorenzo Croce: Es kann vorkommen, dass unsere Entwickler eine in ihren Augen innovative Lösung erarbeitet haben, diese aber nach der Präsentation noch einmal umkrempeln müssen, weil sie zu viel Veränderung mit sich bringt. Denn bei der Entwicklung unserer Produkte müssen wir uns sehr eng mit unseren Kunden abstimmen. Alle Anlagen, für die wir Softwarelösungen zur Optimierung entwickeln, sind hoch spezialisiert, unsere Prozessleitsysteme individuell auf jedes Aggregat und den Teilbereich der Stahlindustrie – etwa das Kalt- oder Warmwalzen – zugeschnitten. Jede Anlage ist ein Unikat, da jede Prozessumgebung anders ist. Die räumliche Nähe zu unseren Kunden – 80 Prozent sind im Ruhrgebiet ansässig – ist dabei eingroßer Vorteil.

UND WENN SIE SEHR INNOVATIVE THEMEN WIE ETWA INDUSTRIE 4.0 ANGEHEN?

Lorenzo Croce: Dann bemühen wir uns um Forschungsprojekte, um heute schon zu wissen, in welche Richtung wir gehen müssen – etwa wie sich unsere Technologie oder das Aufgabenfeld der Mitarbeiter verändern wird. Seit Juni 2016 läuft das von der Europäischen Union geförderte Projekt DamokleS 4.0 mit einem Volumen von 1,3 Mio. Euro gemeinsam mit der Hochschule Ruhr West. Es geht darum, Beschäftigte in der Schwerindustrie durch den Einsatz von mobilen Endgeräten sowie einer kontextbasierten und intelligenten Aufbereitung von Prozessinformationen bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Beim Verbundforschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Prokom 4.0 unter Federführung des RISP an der Universität Duisburg-Essen sind wir einer der Industriepartner. Das Projekt beschäftigt sich mit den Veränderungen der Arbeitswelt im Zuge von Industrie 4.0. Gerade durch solche thematisch breit gefassten Verbundforschungsprojekte erhalten unsere Mitarbeiter Input von außen, der in neue Entwicklungen einfließt.

KOOPERIEREN SIE AUCH MIT WETTBEWERBERN AUS DEM IT-BEREICH?

Lorenzo Croce: Nein, denn bei der Entwicklung gemeinsamer Optimierungsmodelle für Anlagen müssten beide Partner ihren Source-Code offenlegen. Und das widerspricht dem Know-how- und Technologieschutz, der ein ganz großes Thema in der Stahlindustrie ist. Und: Wir wollen uns nicht in die Abhängigkeit großer Technologieanbieter begeben. Selbst bei Kooperationen mit Hochschulen, mit denen wir auf vielfältige Weise zusammen arbeiten, gibt es das Problem der Vertraulichkeit.

WIE INTENSIV ARBEITEN SIE MIT HOCHSCHULEN ZUSAMMEN?

Lorenzo Croce: Neben Forschungsprojekten, darunter auch Auftragsforschung, rekrutieren wir dort vor allem unseren Nachwuchs. Heute arbeiten wir vor allem mit der Hochschule Ruhr West, deren Standort in Bottrop den Schwerpunkt Angewandte Informatik hat – ein Glücksfall für uns. Wir unterstützen dort einen dualen Studiengang sowie Studierende bei Bachelor- und Masterarbeiten, die für uns relevante Themen bearbeiten.

FINDEN SIE AUSREICHEND FACHKRÄFTE IN DER METROPOLE RUHR?

Lorenzo Croce:Junge Leute schon, allerdings weniger als früher. Wir bilden selber sehr intensiv aus, weil die Software und auch die sehr komplexen Prozesse in der Stahlindustrie eine Einarbeitungszeit von bis zu zwei Jahren benötigen. Fertige Leute finden wir hier allerdings nicht in dem Maße und der Qualität, in der wir sie brauchen. Im Rahmen unserer Internationalisierungsstrategie konnten wir aber je einen IT-Entwickler aus Italien und Spanien gewinnen, die seit Oktober in unserem Unternehmen arbeiten.

JUNGE IT-ENTWICKLER KOOPERIEREN ENG

MIT GESTANDENEN STAHLWERKERN

Lorenzo Croce

Die Auftragsbücher für die nächsten drei Jahre sind voll. Die celano GmbH aus Bottrop ist gut im Geschäft, hat sich binnen 15 Jahren zu einem stabilen Mittelständler mit heute 32 Mitarbeitern gemausert. Der IT-Dienstleister entwickelt hoch spezialisierte Prozessleitsysteme, mit denen der Ressourceneinsatz von Schwer- und Durchlauföfen sowie der Materialfluss in der Stahl- und Metallindustrie optimiert werden kann. Dank der Optimierungen durch die celano-Software kann die energieintensive Traditionsbranche enorme Kosten einsparen. Geschäftsführer Lorenzo Croce erläutert, mit welchen Partnern celano ihre Softwarelösungen weiterentwickelt und innovative Felder wie Industrie 4.0 für sich entdeckt.

Herr Croce, vor welcher besonderen Herausforderung stehen Ihre IT-Experten, wenn sie effiziente Lösungen für Prozesse in der Stahlindustrie entwickeln?

Lorenzo Croce: Zwei Branchen mit unterschiedlichen Kulturen treffen aufeinander. Auf der einen Seite unsere jungen IT-Entwickler, die sprunghaft, sehr innovativ und zugleich sehr optimistisch sind. Auf der anderen Seite eine Branche mit gestandenen, erfahrenen Ingenieuren, die stolz auf ihre Hüttentechnik und eine sehr innovative Werkstoffforschung ist.

Welche Folgen hat das für Ihre Zusammenarbeit?

Lorenzo Croce: Es kann vorkommen, dass unsere Entwickler eine in ihren Augen innovative Lösung erarbeitet haben, diese aber nach der Präsentation noch einmal umkrempeln müssen, weil sie zu viel Veränderung mit sich bringt. Denn bei der Entwicklung unserer Produkte müssen wir uns sehr eng mit unseren Kunden abstimmen. Alle Anlagen, für die wir Softwarelösungen zur Optimierung entwickeln, sind hoch spezialisiert, unsere Prozessleitsysteme individuell auf jedes Aggregat und den Teilbereich der Stahlindustrie – etwa das Kalt- oder Warmwalzen – zugeschnitten. Jede Anlage ist ein Unikat, da jede Prozessumgebung anders ist. Die räumliche Nähe zu unseren Kunden – 80 Prozent sind im Ruhrgebiet ansässig – ist dabei eingroßer Vorteil.

Und wenn Sie sehr innovative Themen wie etwa Industrie 4.0 angehen?

Lorenzo Croce: Dann bemühen wir uns um Forschungsprojekte, um heute schon zu wissen, in welche Richtung wir gehen müssen – etwa wie sich unsere Technologie oder das Aufgabenfeld der Mitarbeiter verändern wird. Seit Juni 2016 läuft das von der Europäischen Union geförderte Projekt DamokleS 4.0 mit einem Volumen von 1,3 Mio. Euro gemeinsam mit der Hochschule Ruhr West. Es geht darum, Beschäftigte in der Schwerindustrie durch den Einsatz von mobilen Endgeräten sowie einer kontextbasierten und intelligenten Aufbereitung von Prozessinformationen bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Beim Verbundforschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Prokom 4.0 unter Federführung des RISP an der Universität Duisburg-Essen sind wir einer der Industriepartner. Das Projekt beschäftigt sich mit den Veränderungen der Arbeitswelt im Zuge von Industrie 4.0. Gerade durch solche thematisch breit gefassten Verbundforschungsprojekte erhalten unsere Mitarbeiter Input von außen, der in neue Entwicklungen einfließt.

Kooperieren Sie auch mit Wettbewerbern aus dem IT-Bereich?

Lorenzo Croce: Nein, denn bei der Entwicklung gemeinsamer Optimierungsmodelle für Anlagen müssten beide Partner ihren Source-Code offenlegen. Und das widerspricht dem Know-how- und Technologieschutz, der ein ganz großes Thema in der Stahlindustrie ist. Und: Wir wollen uns nicht in die Abhängigkeit großer Technologieanbieter begeben. Selbst bei Kooperationen mit Hochschulen, mit denen wir auf vielfältige Weise zusammen arbeiten, gibt es das Problem der Vertraulichkeit.

Wie intensiv arbeiten Sie mit Hochschulen zusammen?

Lorenzo Croce: Neben Forschungsprojekten, darunter auch Auftragsforschung, rekrutieren wir dort vor allem unseren Nachwuchs. Heute arbeiten wir vor allem mit der Hochschule Ruhr West, deren Standort in Bottrop den Schwerpunkt Angewandte Informatik hat – ein Glücksfall für uns. Wir unterstützen dort einen dualen Studiengang sowie Studierende bei Bachelor- und Masterarbeiten, die für uns relevante Themen bearbeiten.

Finden Sie ausreichend Fachkräfte in der Metropole Ruhr?

Lorenzo Croce: Junge Leute schon, allerdings weniger als früher. Wir bilden selber sehr intensiv aus, weil die Software und auch die sehr komplexen Prozesse in der Stahlindustrie eine Einarbeitungszeit von bis zu zwei Jahren benötigen. Fertige Leute finden wir hier allerdings nicht in dem Maße und der Qualität, in der wir sie brauchen. Im Rahmen unserer Internationalisierungsstrategie konnten wir aber je einen IT-Entwickler aus Italien und Spanien gewinnen, die seit Oktober in unserem Unternehmen arbeiten.

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