CHANCEN UND HERAUSFORDERUNG BEI DER ÖFFNUNG VON INNOVATIONSPROZESSEN

Die Öffnung von betrieblichen Innovationsprozessen kann folglich zu einer schnelleren Integration neuer Erkenntnisse in die Entwicklungsarbeit führen, unternehmerische Risiken minimieren, die Erschließung neuer Märkte erleichtern und durch die Einbindung innovativer Ideen aus anderen Branchen zu einem Perspektivwechsel bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen beitragen. Demgegenüber stellt die Implementierung von Open Innovation- Ansätzen Unternehmen auch vor eine Reihe von Herausforderungen: Der Wissens- und Technologietransfer muss so organisiert sein, dass der ungewollte Abfluss bestimmter hochsensibler Wissensressourcen und ein damit einhergehender Verlust an Wettbewerbsvorteilen ausgeschlossen werden kann. Bei geringer Ressourcenausstattung besteht zudem die Gefahr, dass Unternehmen durch die zunehmende Komplexität ihrer Innovationsaktivitäten das Kerngeschäft aus den Augen verlieren. Schließlich müssen Strategien entwickelt werden, die zu einer Überwindung von potenziellen Vorbehalten der eigenen Mitarbeiter gegenüber extern entwickelten Ideen beitragen, dem sogenannten Not-inventedhere-Syndrom (Reichwald und Möslein 2011:7).

Auch wenn die Öffnung betrieblicher Innovationsprozesse mit einigen Herausforderungen verbunden ist, können insbesondere kleine und mittlere Unternehmen profitieren, da diese in der Regel nur über sehr begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen zur Initiierung von großangelegten Innovationsvorhaben verfügen (Dömötör 2011; Rammer et al. 2006). Darüber hinaus bietet die Öffnung von Innovationsprozessen hohe Entwicklungspotenziale für Unternehmen traditioneller Industriezweige, die neue Geschäftsfelder außerhalb des Kerngeschäfts erschließen möchten. Insbesondere an den Schnittstellen zu technologisch verwandten Wirtschaftszweigen bieten sich hohe Potenziale für cross-sektorale Innovationen (van Oort et al. 2014; Mameli et al. 2012; Frenken et al. 2007). So ist beispielsweise die Siemens AG dazu übergegangen, im Rahmen ihrer Open Innovation-Strategie die Gründung von Startups in Geschäftsfeldern zu unterstützen, auf denen der Konzern derzeit zwar nicht aktiv ist, die aber künftig für Siemens relevant sein könnten. Open Innovation stellt somit ein wichtiges Instrument bei der Gestaltung des wirtschaftlichen Strukturwandels dar und ist deshalb auch für Akteure der kommunalen und regionalen Wirtschaftsförderung von zentraler Bedeutung.

OPEN INNOVATION IN DER METROPOLE RUHR
Abb. 1 Verbundforschungskooperationen in der Metropole Ruhr (Datengrundlage: Förderkatalog des Bundes)

Abb. 1


Heatmap

Abb. 2

Räumliche Nähe kann die Effizienz des interorganisationalen Wissens- und Technologietransfers beeinflussen. Auch in Zeiten fortschreitender Digitalisierung profitieren Unternehmern von anderen Wissensträgern in ihrem direkten geografischen Umfeld, indem sie leichter, kostengünstiger und häufiger Zugang zum Wissen der anderen Akteure erhalten. Städten und Regionen kommt bei der Förderung von Open Innovation-Aktivitäten deshalb eine Schlüsselrolle zu (Tukiainen und Sutinen 2015: 313). Im Folgenden sollen deshalb die Akteure und Entwicklungsmuster von Open Innovation-Prozessen in der Metropole Ruhr vertiefend analysiert werden.

INNOVATIVE UNTERNEHMEN

Zunächst wurden in einem mehrstufigen Rechercheansatz innovations- und kooperationsorientierte Unternehmen bzw. Betriebe mit Sitz in der Metropole Ruhr erfasst. Eine wesentliche Datengrundlage zur Identifikation der Unternehmen lieferte der Förderkatalog des Bundes, eine Datenbank die mehr als 110.000 abgeschlossene und laufende Vorhaben der Projektförderung umfasst. Anhand des Förderkatalogs wurden Unternehmen und Betriebe identifiziert, denen aufgrund ihrer Aktivität in Verbundforschungsprojekten grundsätzlich eine Affinität zu Open Innovation unterstellt werden kann. Dabei wurden Projekte im Zeitraum von 2006 bis heute betrachtet. Die Kooperationsbeziehungen im Rahmen der Verbundforschungsprojekte sind für die beteiligten Unternehmen aus der Metropole Ruhr in Abbildung 1 dargestellt. Es wird deutlich, dass Forschungs- und Entwicklungskooperationen in vielen Fällen in einem regionalen Kontext stattfinden.

Parallel zu der Analyse des Förderkatalogs erfolgte eine ergänzende Erhebung von Unternehmen auf Basis von spezifischen, innovationsorientierten Netzwerken und Clustern in der Metropole Ruhr. Die auf diese Weise identifizierten 141 Akteure wurden anschließend hinsichtlich ihrer Innovationsstrategien untersucht. Dabei wurde zwischen Unternehmen mit belegbar sehr hoher Affinität für offene Innovationsprozesse und Unternehmen, die aufgrund der genannten Identifikationsmerkmale als innovations- und kooperationsorientiert zu klassifizieren sind, unterschieden. Die ermittelten Unternehmen wurden in einem dritten Schritt den Wirtschaftsförderungen der Metropole Ruhr zwecks Prüfung und Ergänzung vorgelegt. Durch die Rückmeldungen konnte die Datenbank auf 198 Unternehmen erweitert werden. Die regionale Verteilung der so identifizierten Akteure ist in Abbildung 2 dargestellt.

Es handelt sich hierbei um keine Vollerhebung aller regionalen Unternehmen, die im Kontext ihrer Innovationsaktivitäten mit externen Partnern kooperieren. Eine solche Vollerhebung ist aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Kooperationsformen und Innovationsstrategien nur schwer möglich. Die Erhebung liefert allerdings erste Informationen zur regionalen Konzentration besonders kooperationsaffiner Akteure. Die identifizierten Unternehmen verteilen sich entlang des Ruhrschnellwegs (A40) mit besonderen Schwerpunkten in Dortmund (46), Duisburg (33) und Essen (19), was insbesondere auf die dortigen Universitätsstandorte und die daraus resultierenden Forschungskooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zurückzuführen ist. Auch in den Kreisen Unna (28) und Recklinghausen (17) sowie in Herne (17) sind besonders viele Akteure zu verorten.

INNOVATIVE UNTERNEHMEN 01

Die celano GmbH aus Bottrop hat sich auf die Realisierung und Inbetriebnahme von kundenspezifischen Softwaresystemen für Unternehmen der Stahlindustrie und der Metallverarbeitung spezialisiert. Durch die Integration von Kompetenzen aus den Bereichen Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik wird die Ressourceneffizienz von Produktionssystemen optimiert. Aufgrund des hohen Spezialisierungsgrades der einzelnen Softwarelösungen ist der Entwicklungsprozess durch einen intensiven und kontinuierlichen Austausch mit den Kunden gekennzeichnet. Darüber hinaus kooperiert die celano GmbH im Rahmen verschiedener Verbundforschungsprojekte und Ausbildungsinitiativen mit Hochschulen und Bildungseinrichtungen aus der Region. Neben der Integration externen Know-hows in die eigenen Innovationsprozesse dienen diese strategischen Allianzen auch der Bindung junger Talente an das Unternehmen.

Ein weiteres innovatives Unternehmen aus dem Leitmarkt Digitale Kommunikation ist die tegos GmbH aus Dortmund als führender Branchenlösungsanbieter für die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft auf Basis von Microsoft Dynamics NAV. Die tegos GmbH übernimmt in diesem Zusammenhang eine Scharnierfunktion bei der Anpassung von Enterprise Resource Planning (ERP)-Lösungen eines großen Technologiepartners an die spezifischen Anforderungen und Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen. Die anwendungsorientierte Entwicklungsarbeit profitiert von intensiven Austauschprozessen mit den Kunden, Ausbildungskooperationen mit der Fachhochschule Dortmund und dem Engagement in regionalen Netzwerken wie dem EffizienzCluster LogistikRuhr.

Mit der Gründung des Tochterunternehmens Simova GmbH im Jahr 2015 konnte das Know-how zur Entwicklung von weiteren Lösungen bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen in unterschiedlichsten Branchen genutzt werden (u.a. Automotive, Metallhandel sowie Lebensmittel- und Rohstoffindustrie). Spezifische Wissensressourcen wurden auf diese Weise außerhalb der etablierten Unternehmensstruktur weiterentwickelt und zum Markterfolg geführt (Insideout- Prozess). Die besondere Innovationskraft der Simova GmbH ist insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass neben der Zusammenarbeit mit dem Mutterunternehmen in den zurückliegenden Monaten eine Vielzahl weiterer Technologie- und Vertriebspartner gewonnen und in die Entwicklungsprozesse integriert werden konnten. Diese strategischen Kooperationen machen es möglich, innovative und maßgeschneiderte Lösungen für die verschiedenen Kundensegmente der Simova GmbH am Markt zu platzieren.

Bei der Entwicklung hochspezialisierter medizintechnischer Produkte stellt Vertraulichkeit zwischen den Kooperationspartnern ein wichtiges Gut dar. Die phenox GmbH aus Bochum kooperiert bei der Weiterentwicklung ihrer Produkte zur Behandlung neurovaskulärer Krankheiten dennoch intensiv mit Anwendern (Ärzten), Zulieferern und Hochschulen. Insbesondere der enge und institutionalisierte Austausch mit den Anwendern kennzeichnet das Innovationsverhalten des Unternehmens. Darüber hinaus sind intensive Rückkopplungsprozesse mit den Materiallieferanten für den Innovationserfolg entscheidend.

INNOVATIVE UNTERNEHMEN 02

Eingebettet sind die hier skizzierten Forschungs- und Entwicklungsprozesse in die ökonomischen, wissenschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen des regionalen Innovationssystems der Metropole Ruhr. Als großer Standortvorteil wurde von den Unternehmen das enge Netz an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen benannt, welches die Initiierung von Verbundforschungsprojekten erleichtert und einen einfachen Zugang zu Testlaboren und sonstiger wissenschaftlicher Infrastruktur ermöglicht. Darüber hinaus besteht die Chance, kreative Köpfe schon frühzeitig im Rahmen von Ausbildungskooperationen an das Unternehmen zu binden und sich dadurch einen Vorsprung beim Wettbewerb um Fachkräfte zu sichern. Aufgrund der diversifizierten Wirtschaftsstruktur und des dichten Unternehmensbesatzes bieten sich zudem viele Möglichkeiten zur Öffnung betrieblicher Innovationsprozesse für regionale Partner. Der Aufbau strategischer Allianzen wird dabei durch eine Reihe von regionalen Initiativen und Innovationsnetzwerken unterstützt. So soll beispielsweise der Digital Ruhr:Hub auf dem ComIn-Campus in Essen die lokalen Aktivitäten im Bereich der Digitalen Wirtschaft und der Startup-Förderung bündeln. Gerade junge Unternehmen können in der Aufbau- und Wachstumsphase in besonderer Weise von externem Know-how profitieren. Neben der Bereitstellung einer tragfähigen Infra- und Finanzierungsstruktur für Startups soll unter dem Dach des Digital Ruhr:Hub deshalb ein Mentoren-Netzwerk aufgebaut werden, das den Austausch zwischen jungen digitalen Gründern und etablierten Unternehmen unterstützt.

CHANCEN UND HERAUSFORDERUNG BEI

DER ÖFFNUNG VON INNOVATIONSPROZESSEN

Die Öffnung von betrieblichen Innovationsprozessen kann folglich zu einer schnelleren Integration neuer Erkenntnisse in die Entwicklungsarbeit führen, unternehmerische Risiken minimieren, die Erschließung neuer Märkte erleichtern und durch die Einbindung innovativer Ideen aus anderen Branchen zu einem Perspektivwechsel bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen beitragen.

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Demgegenüber stellt die Implementierung von Open Innovation- Ansätzen Unternehmen auch vor eine Reihe von Herausforderungen: Der Wissens- und Technologietransfer muss so organisiert sein, dass der ungewollte Abfluss bestimmter hochsensibler Wissensressourcen und ein damit einhergehender Verlust an Wettbewerbsvorteilen ausgeschlossen werden kann. Bei geringer Ressourcenausstattung besteht zudem die Gefahr, dass Unternehmen durch die zunehmende Komplexität ihrer Innovationsaktivitäten das Kerngeschäft aus den Augen verlieren. Schließlich müssen Strategien entwickelt werden, die zu einer Überwindung von potenziellen Vorbehalten der eigenen Mitarbeiter gegenüber extern entwickelten Ideen beitragen, dem sogenannten Not-inventedhere-Syndrom (Reichwald und Möslein 2011:7).

Auch wenn die Öffnung betrieblicher Innovationsprozesse mit einigen Herausforderungen verbunden ist, können insbesondere kleine und mittlere Unternehmen profitieren, da diese in der Regel nur über sehr begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen zur Initiierung von großangelegten Innovationsvorhaben verfügen (Dömötör 2011; Rammer et al. 2006). Darüber hinaus bietet die Öffnung von Innovationsprozessen hohe Entwicklungspotenziale für Unternehmen traditioneller Industriezweige, die neue Geschäftsfelder außerhalb des Kerngeschäfts erschließen möchten.

Insbesondere an den Schnittstellen zu technologisch verwandten Wirtschaftszweigen bieten sich hohe Potenziale für cross-sektorale Innovationen (van Oort et al. 2014; Mameli et al. 2012; Frenken et al. 2007). So ist beispielsweise die Siemens AG dazu übergegangen, im Rahmen ihrer Open Innovation-Strategie die Gründung von Startups in Geschäftsfeldern zu unterstützen, auf denen der Konzern derzeit zwar nicht aktiv ist, die aber künftig für Siemens relevant sein könnten. Open Innovation stellt somit ein wichtiges Instrument bei der Gestaltung des wirtschaftlichen Strukturwandels dar und ist deshalb auch für Akteure der kommunalen und regionalen Wirtschaftsförderung von zentraler Bedeutung.

OPEN INNOVATION IN

DER METROPOLE RUHR

Abb. 1 Verbundforschungskooperationen in der Metropole Ruhr (Datengrundlage: Förderkatalog des Bundes)
Abb. 1
Abb. 2

Räumliche Nähe kann die Effizienz des interorganisationalen Wissens- und Technologietransfers beeinflussen. Auch in Zeiten fortschreitender Digitalisierung profitieren Unternehmern von anderen Wissensträgern in ihrem direkten geografischen Umfeld, indem sie leichter, kostengünstiger und häufiger Zugang zum Wissen der anderen Akteure erhalten. Städten und Regionen kommt bei der Förderung von Open Innovation-Aktivitäten deshalb eine Schlüsselrolle zu (Tukiainen und Sutinen 2015: 313). Im Folgenden sollen deshalb die Akteure und Entwicklungsmuster von Open Innovation-Prozessen in der Metropole Ruhr vertiefend analysiert werden.

Innovative Unternehmen

Zunächst wurden in einem mehrstufigen Rechercheansatz innovations- und kooperationsorientierte Unternehmen bzw. Betriebe mit Sitz in der Metropole Ruhr erfasst. Eine wesentliche Datengrundlage zur Identifikation der Unternehmen lieferte der Förderkatalog des Bundes, eine Datenbank die mehr als 110.000 abgeschlossene und laufende Vorhaben der Projektförderung umfasst.

...

Anhand des Förderkatalogs wurden Unternehmen und Betriebe identifiziert, denen aufgrund ihrer Aktivität in Verbundforschungsprojekten grundsätzlich eine Affinität zu Open Innovation unterstellt werden kann. Dabei wurden Projekte im Zeitraum von 2006 bis heute betrachtet. Die Kooperationsbeziehungen im Rahmen der Verbundforschungsprojekte sind für die beteiligten Unternehmen aus der Metropole Ruhr in Abbildung 1 dargestellt. Es wird deutlich, dass Forschungs- und Entwicklungskooperationen in vielen Fällen in einem regionalen Kontext stattfinden.

Parallel zu der Analyse des Förderkatalogs erfolgte eine ergänzende Erhebung von Unternehmen auf Basis von spezifischen, innovationsorientierten Netzwerken und Clustern in der Metropole Ruhr. Die auf diese Weise identifizierten 141 Akteure wurden anschließend hinsichtlich ihrer Innovationsstrategien untersucht. Dabei wurde zwischen Unternehmen mit belegbar sehr hoher Affinität für offene Innovationsprozesse und Unternehmen, die aufgrund der genannten Identifikationsmerkmale als innovations- und kooperationsorientiert zu klassifizieren sind, unterschieden. Die ermittelten Unternehmen wurden in einem dritten Schritt den Wirtschaftsförderungen der Metropole Ruhr zwecks Prüfung und Ergänzung vorgelegt. Durch die Rückmeldungen konnte die Datenbank auf 198 Unternehmen erweitert werden. Die regionale Verteilung der so identifizierten Akteure ist in Abbildung 2 dargestellt.

Es handelt sich hierbei um keine Vollerhebung aller regionalen Unternehmen, die im Kontext ihrer Innovationsaktivitäten mit externen Partnern kooperieren. Eine solche Vollerhebung ist aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Kooperationsformen und Innovationsstrategien nur schwer möglich. Die Erhebung liefert allerdings erste Informationen zur regionalen Konzentration besonders kooperationsaffiner Akteure. Die identifizierten Unternehmen verteilen sich entlang des Ruhrschnellwegs (A40) mit besonderen Schwerpunkten in Dortmund (46), Duisburg (33) und Essen (19), was insbesondere auf die dortigen Universitätsstandorte und die daraus resultierenden Forschungskooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zurückzuführen ist. Auch in den Kreisen Unna (28) und Recklinghausen (17) sowie in Herne (17) sind besonders viele Akteure zu verorten.

Treiber von Open Innovation-Prozessen sind in vielen Fällen Unternehmen aus dem Leitmarkt Digitale Kommunikation. Sie stellen die technologischen Lösungen für den digitalen Austausch von Ideen bereit und schaffen damit die Grundlage für die fortschreitende Vernetzung von Wertschöpfungsprozessen und Innovationsaktivitäten. Als Intermediäre tragen sie darüber hinaus zur Diffusion digitaler Lösungen zwischen verschiedenen Leitmärkten bei und unterstützen auf diese Weise branchenübergreifende Kooperationsvorhaben (cross-sektorale Innovationen).

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Die celano GmbH aus Bottrop hat sich auf die Realisierung und Inbetriebnahme von kundenspezifischen Softwaresystemen für Unternehmen der Stahlindustrie und der Metallverarbeitung spezialisiert. Durch die Integration von Kompetenzen aus den Bereichen Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik wird die Ressourceneffizienz von Produktionssystemen optimiert. Aufgrund des hohen Spezialisierungsgrades der einzelnen Softwarelösungen ist der Entwicklungsprozess durch einen intensiven und kontinuierlichen Austausch mit den Kunden gekennzeichnet. Darüber hinaus kooperiert die celano GmbH im Rahmen verschiedener Verbundforschungsprojekte und Ausbildungsinitiativen mit Hochschulen und Bildungseinrichtungen aus der Region. Neben der Integration externen Know-hows in die eigenen Innovationsprozesse dienen diese strategischen Allianzen auch der Bindung junger Talente an das Unternehmen.

Ein weiteres innovatives Unternehmen aus dem Leitmarkt Digitale Kommunikation ist die tegos GmbH aus Dortmund als führender Branchenlösungsanbieter für die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft auf Basis von Microsoft Dynamics NAV. Die tegos GmbH übernimmt in diesem Zusammenhang eine Scharnierfunktion bei der Anpassung von Enterprise Resource Planning (ERP)-Lösungen eines großen Technologiepartners an die spezifischen Anforderungen und Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen. Die anwendungsorientierte Entwicklungsarbeit profitiert von intensiven Austauschprozessen mit den Kunden, Ausbildungskooperationen mit der Fachhochschule Dortmund und dem Engagement in regionalen Netzwerken wie dem EffizienzCluster LogistikRuhr.

Mit der Gründung des Tochterunternehmens Simova GmbH im Jahr 2015 konnte das Know-how zur Entwicklung von weiteren Lösungen bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen in unterschiedlichsten Branchen genutzt werden (u.a. Automotive, Metallhandel sowie Lebensmittel- und Rohstoffindustrie). Spezifische Wissensressourcen wurden auf diese Weise außerhalb der etablierten Unternehmensstruktur weiterentwickelt und zum Markterfolg geführt (Insideout- Prozess). Die besondere Innovationskraft der Simova GmbH ist insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass neben der Zusammenarbeit mit dem Mutterunternehmen in den zurückliegenden Monaten eine Vielzahl weiterer Technologie- und Vertriebspartner gewonnen und in die Entwicklungsprozesse integriert werden konnten. Diese strategischen Kooperationen machen es möglich, innovative und maßgeschneiderte Lösungen für die verschiedenen Kundensegmente der Simova GmbH am Markt zu platzieren.

Bei der Entwicklung hochspezialisierter medizintechnischer Produkte stellt Vertraulichkeit zwischen den Kooperationspartnern ein wichtiges Gut dar. Die phenox GmbH aus Bochum kooperiert bei der Weiterentwicklung ihrer Produkte zur Behandlung neurovaskulärer Krankheiten dennoch intensiv mit Anwendern (Ärzten), Zulieferern und Hochschulen. Insbesondere der enge und institutionalisierte Austausch mit den Anwendern kennzeichnet das Innovationsverhalten des Unternehmens. Darüber hinaus sind intensive Rückkopplungsprozesse mit den Materiallieferanten für den Innovationserfolg entscheidend.

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Eingebettet sind die hier skizzierten Forschungs- und Entwicklungsprozesse in die ökonomischen, wissenschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen des regionalen Innovationssystems der Metropole Ruhr. Als großer Standortvorteil wurde von den Unternehmen das enge Netz an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen benannt, welches die Initiierung von Verbundforschungsprojekten erleichtert und einen einfachen Zugang zu Testlaboren und sonstiger wissenschaftlicher Infrastruktur ermöglicht. Darüber hinaus besteht die Chance, kreative Köpfe schon frühzeitig im Rahmen von Ausbildungskooperationen an das Unternehmen zu binden und sich dadurch einen Vorsprung beim Wettbewerb um Fachkräfte zu sichern. Aufgrund der diversifizierten Wirtschaftsstruktur und des dichten Unternehmensbesatzes bieten sich zudem viele Möglichkeiten zur Öffnung betrieblicher Innovationsprozesse für regionale Partner. Der Aufbau strategischer Allianzen wird dabei durch eine Reihe von regionalen Initiativen und Innovationsnetzwerken unterstützt. So soll beispielsweise der Digital Ruhr:Hub auf dem ComIn-Campus in Essen die lokalen Aktivitäten im Bereich der Digitalen Wirtschaft und der Startup-Förderung bündeln. Gerade junge Unternehmen können in der Aufbau- und Wachstumsphase in besonderer Weise von externem Know-how profitieren. Neben der Bereitstellung einer tragfähigen Infra- und Finanzierungsstruktur für Startups soll unter dem Dach des Digital Ruhr:Hub deshalb ein Mentoren-Netzwerk aufgebaut werden, das den Austausch zwischen jungen digitalen Gründern und etablierten Unternehmen unterstützt.

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